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Krebszellen können den Warburg-Effekt kompensieren

Krebszellen benötigen besonders viel Zucker für Ihren Stoffwechsel. Das liegt hauptsächlich daran, dass ihre Mitochondrien nicht gut funktionieren. Während Mitochondrien unter Verbrauch von Sauerstoff viel Energie aus Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß herstellen könne (aerobe Atmung), sind Krebszellen auf eine Art Notstromaggregat angewiesen, die anaerobe Atmung. Diese verbrennt Zucker zur Energiegewinnung. Dies wurde bereits vor fast 100 Jahren von dem deutschen Arzt und Forscher Otto Warburg entdeckt. Für diese Entdeckung, die Warburg-Effekt genannt wird, erhielt er den Nobelpreis. Dass Krebszellen einen unbändigen Zuckerhunger haben, wird diagnostisch genutzt. Spritzt man einem Krebspatienten radioaktiven Zucker in die Blutbahn, reichert sich dieser bevorzugt in Krebszellen an, wodurch man den Primärtumor, aber auch Metastasen auffinden kann. Krebszellen haben nun Tricks entwickelt, um sich einen Vorteil bei der Versorgung mit dem für sie wichtigen Zucker zu verschaffen. So hat eine...

Das Bauchgefühl: unser 6. Sinn

Die Darm-Hirn-Achse wird seit Jahren diskutiert. Es ist bekannt, das die Bakterien in unserem Darm unser Verhalten steuern können. Das geht so weit, dass schon diskutiert wird, wer hier wenn steuert. So können Bakterien unser Hunger-Empfinden steuern. Damit füttern wir sie dann. Sind wir nur da, damit sich unsere Darmbakterien wohlfühlen? Wir bieten ihnen ein schönes, warmes haus und füttern sie dann, wenn sie es brauchen.Interessante Sicht, oder? Bisher ging man davon aus, dass die Steuerung, die der Darm auf das Gehirn ausübt, über Hormon-ähnliche Substanzen abläuft, die Bakterien ausschütten und die im Darm aufgenommen werden. Über das Blut gelangen sie dann ins Hirn. Dies dauert Minuten bis Stunden. Nun haben Wissenschaftler einen neuen Kommunikationsweg gefunden, der in Millisekunden reagiert: Nerven. In unserer Darmschleimhaut sitzen sensorische Nerven. Diese Nerven haben Enden, die wie Synapsen aussehen. Diese Nerven bilden ein Netzwerk, das über den Vagus-Nerv direkt mit d...

Buchkritik: "The Body Electric" von Robert O. Becker

Der einzige Nachteil dieses Buches ist, dass es 1985 veröffentlicht, und seither nie aktualisiert wurde (deutsche Übersetzung hier  erhältlich). Der Inhalt ist aktuell wie eh' und je'. Genaugenommen wird er täglich aktueller. Gerade in Zeiten, wo über die Einführung des 5G Mobilphone-Netzes in weiten Teilen der Welt ansteht. Als Autoren sind Dr. Robert O. Becker und Gary Selden angegeben, jedoch hat das Buch nur Dr. Becker geschrieben und G. Selden hat es redaktionell betreut. Warum geht es in dem Buch? Es ist quasi das Vermächtnis von Dr. Becker (*31.Mai 1923; † 14.Mai 2008), der sich jahrzehntelang als Mediziner und Forscher um den Einfluss von elektrischen Feldern und Strom auf den Körper gekümmert hat. Das Buch ist vom Autor in 4 Teile mit 15 Abschnitten unterteilt, wobei ich der Meinung bin, dass es eigentlich drei große Themen sind, die abgehandelt werden. Das erste Thema ist eine historische Abhandlung über die Regenerationsfähigkeit des Körpers und den Einfluss von...

Mammographie erhöht die Überlebenschancen bei Brustkrebs nicht

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart. In Deutschland erkranken ca. 70.000 Frauen jedes Jahr daran. Glücklicherweise ist bei dieser Krebsart die Heilungsrate in den letzten Jahren gestiegen. Man führte dies bisher immer darauf zurück, dass durch das intensive Screening mittels Mammographie der Krebs schon im Frühstadium erkannt werden kann. Eine frühe Diagnose soll es möglich machen, den Tumor frühzeitig zu entfernen und eine Metastasierung zu verhindern, was letztendlich oft die Haupttodesursache ist. Früherkennung ist also das Stichwort. Ich möchte jetzt gar nicht auf die Argumente eingehen, die gegen eine Mammographie oft angeführt werden: Falsch-positive Befunde sollen zu unnötigen Operationen führen, es können Gewebsveränderungen gefunden und behandelt werden, die sich evtl. niemals zu einer Brustkrebserkrankung entwickelt hätten oder die Strahlenbelastung durch die Mammographie selbst kann zu einer Brustkrebsentstehung beitragen. Aber eine neue Studie stellt den Wert der Mammogr...

Warum kommen immer häufiger Clostridium difficile Infektionen vor?

Ein typisches Beispiel dafür, was es heißt, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, kann man an Clostridium difficile sehen. Dies ist eine Unterart der Clostridien-Familie. Clostridien finden sich in geringer Zahl auch in einem gesunden Darm. Die gefährliche Art C. difficile ist für starke Durchfälle verantwortlich und kann unbehandelt sogar in Einzelfällen zum Tod führen. Eine Standard-Therapie ist dann eine Antibiotikum-Behandlung. Diese unterscheidet jedoch nicht zwischen Gut und Böse und tötet die Darmflora relativ unselektiv. Leider sind heute zunehmend  resistent Keime zu finden und ausgerechnet in Krankenhäusern finden sich dann auch noch die am meisten resistenten Keime, da sie dort durch viele unterschiedliche Antibiotika gut trainiert werden. Nach einer Antibiotikum-Behandlung erholt sich der Darm langsam und die Bakterien bevölkern ihn wieder. Die Bakterien, die am schnellsten wachsen, haben hier einen Vorteil und besetzen die für sie geeigneten Nischen am schnells...

Mitochondrien können den Zellkern steuern

Mitochondrien sind in grauer Vorzeit wohl durch eine Fusion eines Bakteriums mit einer Archaee entstanden. Es entwickelte sich in der Folge der Zellkern und das ursprüngliche Bakterium, aus dem die heutigen Mitochondrien entstanden, hat so ziemlich alle seine Gene in den Zellkern übertragen. zurück behalten haben die Mitochondrien im Wesentlichen nur Gene, die Proteine kodieren, die für die Energiegewinnung notwendig sind (zwei Podcasts zum Thema: Teil 1 , Teil 2 ). Klingt so, als wäre sie versklavt worden, um der Mutterzelle die Energie herzustellen. Schon seit einiger Zeit gibt es Hinweise darauf, dass diese sehr einseitige Sicht nicht korrekt ist. So finden sich in den Mitochondrien neben den Proteinen der Atmungskette, dem zentralen Ort der Energieherstellung, auch noch eine Reihe anderer Proteine, die durch gene im Zellkern zwar hergestellt werden, dann aber über geschickte Wege in den Mitochondrien landen. Man kann nun der Ansicht sein, dass die kleinen Mitochondrien gar nicht ...

Übergewicht - sind doch nicht die Kohlenhydrate, sondern Fette schuld?

In der echten Wissenschaft, müssen Hypothesen immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden. Ohne Vorurteil. Das ist oft nicht einfach. Weil es unbequem ist. Wenn man sich endlich einmal seine Meinung gebildet hat, möchte man das nicht wieder in Fragestellen. Das ist aber falsch. Über viele Jahre hinweg waren die Fette als der Schuldige für das immer häufiger auftretende Übergewicht identifiziert worden. Vor einigen Jahren nun schlug das Pendel um. Nicht fette, sondern die Kohlenhydrate sind die eigentliche Schuldige! Die Bücher von Gary Taubes fanden reissenden Absatz. Low Carb/High Fat der Schlüssel zum schlanken Körper. Oder nicht nur Low Carb sondern Now carb, also Keto Ernährung ist die Lösung aller Probleme. Nun ist es trotzdem schön zu sehen, dass sich ernsthafte Wissenschaftler wagen, auch einmal gegen den (neuen) Trend zu denken. Populäre Dinge in Frage zu stellen. Gegen den Trend zu sein. Eine, den ich schon seit langen dafür bewundere ist Dr. Michael Eades. Er hat neulich...