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Buchkritik: "The Body Electric" von Robert O. Becker


Der einzige Nachteil dieses Buches ist, dass es 1985 veröffentlicht, und seither nie aktualisiert wurde (deutsche Übersetzung hier erhältlich). Der Inhalt ist aktuell wie eh' und je'. Genaugenommen wird er täglich aktueller. Gerade in Zeiten, wo über die Einführung des 5G Mobilphone-Netzes in weiten Teilen der Welt ansteht.
Als Autoren sind Dr. Robert O. Becker und Gary Selden angegeben, jedoch hat das Buch nur Dr. Becker geschrieben und G. Selden hat es redaktionell betreut.
Warum geht es in dem Buch? Es ist quasi das Vermächtnis von
Dr. Becker (*31.Mai 1923; † 14.Mai 2008), der sich jahrzehntelang als Mediziner und Forscher um den Einfluss von elektrischen Feldern und Strom auf den Körper gekümmert hat.
Das Buch ist vom Autor in 4 Teile mit 15 Abschnitten unterteilt, wobei ich der Meinung bin, dass es eigentlich drei große Themen sind, die abgehandelt werden. Das erste Thema ist eine historische Abhandlung über die Regenerationsfähigkeit des Körpers und den Einfluss von schwachen Strömen auf diese Regenerationsfähigkeit bei Amphibien und Säugern. Dann gibt der Autor eine umfangreiche Zusammenfassung von Studien von vielen Arbeitsgruppen weltweit an, die seine Beobachtungen und Versuche unterstützen. Damit bezweckt er, seine Arbeiten zu verifizieren, da sie weit davon entfernt sind, in die tägliche Praxis umgesetzt zu werden. Der erste Teil über seine eigene Arbeit ist sowohl wissenschaftlich, wie auch emotional geschrieben, die Zusammenstellung der hunderte von Studien anderer Wissenschaftskollegen rein un-emotional. Schon im ersten Teil erfährt man, welche Steine Dr. Becker im Laufe seines Berufslebens in den Weg gelegt wurden. Hier kann er seine Frust und Zorn noch gut unter Kontrolle halten. Das dritte und letzte Thema ist dann aber eine leidenschaftliche Abrechnung mit denen, die seine wissenschaftlichen Erkenntnisse boykottiert und ignoriert haben. Dr. Becker hat nämlich Dinge herausgefunden, die vielen Menschen, Firmen und Institutionen eine Dorn im Auge sind.
Einige Dinge sind Allgemeinwissen und nicht zu diskutieren: Fließt Strom durch eine Drahtspule, induziert dieser Strom ein elektrisches Magnetfeld. Umgekehrt können Magnetfelder eine Spannung generieren. Soweit sind sich alle noch einig. Biologische Systeme haben keine Kabel und der Strom fließt nach allgemein anerkannter Meinung in den Nerven durch eine Veränderung von Membranpotentialen entlang der Nervenfaser. Dieser Vorgang ist nicht identisch mit Stromfluss entlang von Kabeln und vergleichsweise viel langsamer. Dr. Becker mit mit selbstentwickelten Elektroden festgestellt, dass der Körper von Amphibien und Säugern Punkte unterschiedlicher Ladung aufweist. Die gemessenen Spannungen sind extrem schwach, aber reproduzierbar nachweisbar. Doch damit nicht genug: Bei Heilungsprozessen ändert sich die Spannung, es kommt zur Spannungsumkehr. Nachgewiesen hat er das vor allem an Fröschen und Lurchen. Besonders Salamander besitzen noch eine Fähigkeit zur Regeneration die erstaunlich ist. Abgeschnittene Schwänze, aber sogar ganze Beine können sie nachwachsen lassen. Trennt man diese Gliedmaßen ab, kommt es zur messbaren Spannungsumkehr, die sich wieder ändert, sobald das Körperteil regeneriert ist. Dr. Becker konnte in der Folge zeigen, dass die Spannungsänderung ursächlich an der Bildung von Regenerationsgewebe beteiligt ist, und konnte durch das Anlegen ultraschwacher Ströme die Geschwindigkeit der Regeneration beschleunigen.
Jeder (oder fast jeder) Körperzelle unseres Körpers besitzt die komplette Bauanleitung, um den Körper herzustellen. Von der ersten Zelle, die durch Verschmelzung von Eizelle und Samen entsteht, bis hin zu voll differenzierten Körperzellen werden nach und nach viele unserer ca. 20.000 Gene abgeschaltet. Diesen Vorgang nennt man Differenzierung. Anscheinend ist ultraschwache Spannung in der Lage, diese Abschaltung rückgängig zu machen, sodass gewisse Zellen wieder in den ursprünglichen Zustand rückversetzt werden, um neue Körperstrukturen zu bilden. Man darf nun nicht vergessen, dass zur Zeit der Erstellung dieses Buches viele heutige Erkenntnisse noch nicht existierten: die Existenz von Stammzellen war nicht bekannt. Dr. Becker konnte aber in der Folge sogar zeigen, dass er mit dem Anlegen der ultraschwachen Spannung in Ratten eine Teilregeneration von Gliedmassen induzieren konnte, Lebewesen, die dies unter "normalen" Umständen "verlernt" haben. Die wissenschaftlichen Arbeiten von Dr. Becker erschienen nicht in irgendwelchen dubiosen Zeitschriften, sondern sogar in den angesehensten Zeitschriften überhaupt: Nature und Science. Trotzdem erfuhr er etwas, was schlimmer war, als Kritik oder Angriffe- er erfuhr weitgehende Ignoranz seiner Studien. Das mag viele Gründe haben: Unverständnis, eine gewisse Lobby, die andere Behandlungsmethoden bevorzugt (teure operative Eingriffe, anstatt die Selbstheilungskräfte des Körpers zu nutzen). Aber was dann im dritten Abschnitt erzählt wird, gibt noch eine zusätzliche Nuance.
Körperzellen, die sich de-differenzieren und sich nicht mehr so verhalten, wie eine spezielisierte Körperzelle, haben sehr starke Ähnlichkeit mit Krebszellen. Daher war Dr. Beckers Warnung immer, die Heilung von Knochen, die mit Schwachstrom unterstützt werden kann, nur einzusetzen, wenn alle konventionellen Methoden versagen, da er befürchtete, durch das Zurückdrehen der Differenzierung potentiell auch Krebs verursachen zu können. Von dieser Warnung zu einer anderen Warnung war es nur ein kurzer Weg: Kann die Dedifferenzierung durch anlegen von Strom beeinflusst werden, so kann dies auch durch indizierende Magnetfelder geschehen. damit begab sich Dr. Becker auf gefährliches Terrain. Zur damaligen Zeit versuchte das DOD (Department of Defence, das Verteidigungsministerium) Mikrowellen zur drahtlosen Kommunikation von Land-Sendern mit U-Booten zu etablieren. Was damals aufgebaut wurde, ist heute allgegenwärtig: Mikrowellensender. Seine Erkenntnisse und daraus abgeleiteten Warnungen führten dazu, dass ihm nach und nach Zugang zu Fördermittel genommen wurden. Letztendlich schaffte er selbst es "noch in die Rente", aber es wurde jedem Nachfolger unmöglich gemacht, die Forschungsarbeiten fortzusetzen. Insofern ist das Buch mit einem frustrierenden Ende versehen.
Was ist also das Fazit: Dr. Becker trägt Unmengen an Daten und Beweisen zusammen, die zeigen, das schwache Ströme dramatische Auswirkungen auf biologische Prozesse haben können. Und zwar in Dimensionen, die weit entfernt von thermischen Effekten sind. Diese Effekte sind im ganzen Lebewesen deutlicher als in jeder Zellkultur zu sehen. Betrachtet man unter diesen Gesichtspunkten den immer weiter um sich greifenden Ausbau der Mobilfunktnetze, WLAN und Bluetooth, befällt einen ein ungutes Gefühl. Heute würde Dr. Becker nicht gegen weniger Windmühlen kämpfen müssen, als vor dreißig Jahren. Und die gerade stattfindende Erweiterung des 5G Netzes, also eines Millimeterwellennetzes ist keineswegs schlimmer, als die alten Mikrowellennetze. Denn Dr. Beckers Ergebnisse zeigen ja, dass gerade ultraschwache Ströme mehr bewirken, als stärkere Ströme - und von denen werden wir seit Jahren bestrahlt.

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