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Wie funktionieren Carb-Blocker (Kohlenhydrat-Blocker)?


Adipositas, also krankhaftes Übergewicht, hat sich in den letzten 100 Jahren stark verbreitet, wobei sich der Prozess seit den 1970 Jahren deutlich beschleunigt hat. Besonders der Konsum minderwertiger oder falscher Lebensmittel und weniger Bewegung werden immer wieder als Hauptursache angegeben, obwohl das Problem wohl vielschichtiger ist (Cizza and Rother, 2012). Viele Wege werden heute beschritten, um Übergewicht zu bekämpfen. Die Methoden reichen von Umstellung des Lebensstils und der Ernährung, Bewegungsprogrammen, der Einnahme von Medikamenten bis hin zu chirurgischen Eingriffen. Ein Ansatz bei der Ernährung erscheint uns am plausibelsten. Seit einiger Zeit werden nun Carb-Blocker (sie blockieren die Aufnahme von Kohlenhydraten im Darm = Carb, von engl. Carbohydrate) zur Behandlung von Übergewicht angeboten.

Wie funktionieren diese Mittel?

Gerne werden heute Ballaststoffe empfohlen, die die Aufnahme von Kohlenhydraten verlangsamen. Leider werden heutzutage jedoch meist zu wenig dieser Ballaststoffe aufgenommen. Die einfachste Methode zur Vermeidung der Kohlenhydrataufnahme wäre die Reduktion des Konsums von Kohlenhydraten, wie es in vielen Low-Carb Diäten empfohlen wird, die mehr oder weniger der Atkins-Diät angelehnt sind. Aber auch diese Ernährungsempfehlung wird nur von wenigen Personen angenommen. Ein anderer Weg wäre die Einnahme von sogenannten „Carb-Blockern“ mit dem Essen von Kohlenhydraten. Dies sind Substanzen, die die Aufnahme von Kohlenhydraten durch den Körper einschränken. Die Kohlenhydrate sollen dadurch im Darm verbleiben und ausgeschieden werden.
Genau genommen blockieren Carb-Blocker die Aufnahme von Kohlenhydraten nur indirekt. Der Wirkmechanismus besteht in einer Blockierung von Enzymen, die aus langkettigen Kohlehydraten (Stärke) oder Zweifachzuckern Einfachzucker herstellen; sie sind also genaugenommen Enzym-Blocker (Barrett and Udani, 2011). Nur Einfachzucker können durch die Darmwand wandern, größere Kohlenhydrat-Moleküle nicht. Daher blockieren Carb-Blocker auch nicht die Aufnahme von Einfachzuckern wie Glukose oder Fruktose aus z.B. Süßigkeiten oder Softdrinks. Nur die Umwandlung von Stärke aus z.B. Mehlprodukten (Brot, Nudeln), Reis und Hülsenfrüchten oder die Spaltung von Zweifachzuckern in Einfachzucker wird je nach Inhibitor (Carb-Blocker) vermindert.
Es gibt dabei zwei verschiedene Enzyme, deren Aktivität blockiert werden kann. Das ist zum einen die Alpha-Amylase, die zum Teil aus dem Speichel stammt und etwa 5% der Stärke aufspaltet. Zum anderen Teil wird sie in den Dünndarm sekretiert, wo der größte Teil der Spaltung stattfindet. Ferner gibt es im Dünndarm Alpha-Glukosidasen, die Saccharose (engl. Sucrose; ein Zweifachzucker, der aus je einem Molekül Glukose und Fruktose besteht) spalten können, weil sie das Enzym Sucrase hemmen (Preuss, 2009).
Die Alpha-Amylase kann durch einen Extrakt von Phaseolus vulgaris (Gartenbohne) inhibiert werden (Preuss et al., 2007). Je nach Produkt und eingesetzter Menge kann dabei bis zu 70% der aufgenommenen Stärke unverdaut bis in den Dickdarm gelangen. In klinischen Studien mit übergewichtigen Personen konnte damit signifikant das Körpergewicht und der Fettanteil reduziert werden (Celleno et al., 2007; Udani and Singh, 2007).

Sucrase kann durch L-Arabinose inhibiert werden. L-Arabinose ist ein Einfachzucker und kann aus Polysaccharide von vielen Pflanzen gewonnen werden. Eine andere Substanz mit ähnlichem Wirkprofil ist Acarbose (Hanefeld, 2007). Der Einsatz dieses Carb-Blockers ist jedoch auf die Spaltung von Saccharose begrenzt und spielt daher eher eine untergeordnete Rolle.

Ein Nachteil bei der Verwendung von Carb-Blockern kann ein negativer Einfluß auf die Verdauung sein. Die Kohlenhydrate, die nicht mehr im Dünndarm aufgeschlossen und aufgenommen werden, gelangen nun vermehrt in den Dickdarm, in dem die Fermentation des restlichen Nahrungsbreis durch Bakterien stattfindet. Bakterien, die Kohlenhydrate verstoffwechseln, werden durch diese zusätzliche Versorgung gefördert und können sich selektiv vermehren. Bei diesem mikrobiellen Abbau von Kohlenhydraten können Gase entstehen, die je nach Menge nicht mehr durch andere Bakterien oder den Darm aufgenommen werden. Dies kann zu verstärkten Blähungen führen. In diesem Fall hilft nur der Verzicht auf diese Carb-Blocker.
Generell ähnelt die Wirkung von Carb-Blockern der Wirkung von Ballaststoffen: Sie vermindern und verzögern die Aufnahme von Kohlenhydraten, erzeugen dadurch ein erhöhtes Sättigungsgefühl und liefern Nahrung für die Bakterien des Dickdarms.

Die einfachste Methode, die Aufnahme von Kohlenhydraten durch den Darm zu  vermeiden, bleibt jedoch die Reduktion schon bei der Nahrungsaufnahme. Der gelegentliche Einsatz bei Mahlzeiten mit hohem Kohlenhydratanteil kann bei einer angestrebten Gewichtsreduktion jedoch durchaus sinnvoll sein.

Autor: Jens
Bildquelle: © C. G. P. Grey - flickr.com

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