Direkt zum Hauptbereich

Sind Transfette eigentlich gefährlich?


Immer wieder wird man mit Aussagen zu Fetten konfrontiert, die sich anscheinend widersprechen. Einmal sind z.B. Transfette gefährlich, ein anderes Mal eben nicht. Wie kommt es zu solchen Widersprüchen?

Fette sind aus Glyzerin und Fettsäuren aufgebaut. Es gibt nun einmal nicht eine einzige trans-Fettsäure, sondern viele verschiedene. Deshalb gibt es auch verschiedene trans-Fette. Diese unterscheiden sich in der Länge (= Anzahl der Kohlenstoffatome in der Kette), aber auch in der Art und Anzahl der Verbindungen der Atome in den Fettsäureketten. Dabei können zwei Kohlenstoffatome entweder mit einer Einfach- oder einer Doppelbindung miteinander verbunden sein. Kommen in einer Fettsäure Doppelbindungen vor, spricht man von einer ungesättigten Fettsäure, die mit nur Einfachbindungen zwischen den Kohlenstoffatomen heißen gesättigte Fettsäuren. Wenn eine Fettsäure eine Doppelbindung aufweist, kann diese in einer cis- oder einer trans-Anordnung vorliegen: bei cis-Anordnung (cis = diesseitig) liegen beide Wasserstoffatome, die an den mit einer Doppelbindung verbundenen Kohlenstoffatomen hängen, auf derselben Seite, bei einer trans-Anordnung (trans = jenseitig) sind sie diagonal angeordnet. Als Konsequenz der räumlichen Struktur der Doppelbindungen sind Fettsäuren mit cis-Konfiguration gewinkelt, die mit trans-Konfiguration nicht. Da für eine cis- oder trans-Anordnung immer eine Doppelbindung notwendig ist, gibt es keine gesättigten cis- oder trans-Fettsäuren. In der Natur kommen fast nur Fettsäuren mit cis-Anordnung vor. Es gibt aber Ausnahmen: in der Milch, aber auch im Fleisch von Wiederkäuern wie z.B. Rindern, kommen natürliche trans-Fettsäuren vor.

Dabei ist es jedoch wichtig, dass diese Tiere Weidetiere sind, da deren Fleisch einen höheren Anteil an wichtigen natürlichen trans-Fettsäuren wie z.B. der konjugierten Linolsäure (CLA) aufweist als Tiere, die mit Getreide gefüttert werden. CLA, die in verschiedenen Isomeren (Moleküle gleicher Zusammensetzung aber anderer räumlicher Struktur) vorkommt, werden wichtige biologische Funktionen wie ein positiver Einfluss auf den Fettstoffwechsel und Antikrebs-Wirkung zugesprochen.

Im Gegensatz zu den natürlichen trans-Fettsäuren, gibt es auch industriell hergestellte trans-Fettsäuren. Diese entstehen während der Härtung von mehrfach ungesättigten cis-Transfettsäuren in Pflanzenölen mittels Hydrierung. Industrielle trans-Fettsäuren kamen früher in großen Mengen in der Margarine vor; heute ist eine Hauptquelle in der Ernährung Frittierfett. Bei normaler Ernährung nimmt man täglich nicht mehr als 3 Gramm von diesen trans-Fetten zu sich. Bei einer höheren Verzehrmenge an frittierten Lebensmitteln (Pommes frites etc.), kann diese Menge natürlich deutlich höher liegen. Während natürliche trans-Fette für den Körper biologisch verwertbar sind, sind dies die industriellen trans-Fette nicht. Diesen industriellen trans-Fettsäuren wird eine negative Wirkung auf die Blutwerte zugeschrieben, indem sie (wie übrigens auch gesättigte Fettsäuren) den (schlechten) LDL-Cholesterinspiegel steigern und den (guten) HDL-Cholesterinspiegel senken. Ferner scheinen Sie sich in Zellmembranen einzulagern, wo sie Insulinresistenz verursachen können und damit das Diabetesrisiko erhöhen.

Nicht alle trans-Fette sind also schlecht, sondern nur die industriell hergestellten.

Autor: Jens
Bildquelle: © amira_a flickr.com

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Was haben Coronaviren und Fasten gemeinsam?

Was haben Coronaviren und Fasten gemeinsam? Passend zur grassierenden Corona-Epidemie und der heute beginnenden Fastenzeit wurde gerade eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass Infektionen der Lunge durch Grippe-, aber auch Coronaviren, Vorgänge in unserem Darm auslösen, die man auch vom Fasten kennt. Bildquelle Es ist bekannt, dass speziell Viren, die die Lunge befallen zu einer Appetitlosigkeit führen. Dies scheint medizinisch tatsächlich vorteilhaft zu sein, wie man gerade herausgefunden hat ( Groves et al., 2020 ). Im Laufe der Infektion verändert sich das Darm-Mikrobiom beträchtlich. Durch Appetitlosigkeit kommt es zu einem Gewichtsverlust. In einer ersten Phase scheint das durch TNF-α verursacht zu werden. Dies reicht aber noch nicht zur Veränderung des Mikrobioms aus. Dazu kommt dann eine Verringerung der Anzahl von CD8+ Zellen, was den Appetit wieder anregt und dem Gewichtsverlust entgegen wirkt. Diese Zellen stellen verschiedene Cytokine her, die das Immung

Coronaviren mutieren: beeinflusst beeinflusst das die Wirkung von Impfstoffen?

Gesundheit - Coronaviren mutieren: beeinflusst das die Wirkung von Impfstoffen? Alle Viren haben die Fähigkeit, sich durch Mutationen an den Wirt anzupassen und damit auch seinem Immunsystem zu entgehen. Bekannt ist das auch bei Coronaviren. Wird das den Erfolg von Impfstoffen beeinflussen? Viren haben wenige Möglichkeiten, sich gegen die Zerstörung durch das Immunsystem zu schützen. Aber die Waffe, die sie besitzen, ist sehr mächtig: Mutation. Auf der einen Seite können Chemikalien (auch medikamente) und Strahlen das genom der Viren ändern. Aber die hauptweg steckt in ihnen drin: Enzyme, die bei der vermehrung helfen, sogenannte Polymerasen. Bei der verdopplung des Erbgutes von Viren werden Polymerasen verwendet. Diese arbeiten mehr oder weniger genau. Dabei entstehen zufällige Fehler im neuen Erbgut, der neu hergestellten Viren. Diese können überhaupt keine Auswirkung auf die Proteine haben, oder nur wenig an der Struktur der Viren ändern. Aber es kann auch passieren. dass funktionel

Cornonavirus: Was ist dran und wie kannst Du Dich schützen?

Cornonavirus: Was ist dran und wie kannst Du Dich schützen? Unkas Gemmeker und Dr. Jens Pohl  gehen den dringendsten Fragen zum Thema des Coronavirus nach. Was ist überhaupt ein Virus, wie vermehrt es sich und wie kann ein Virus mutieren? Welche Tests gibt es und welche Aussagekraft lassen Sie zu? Wir vergleichen das Coronavirus mit der normalen Grippe und reden ausführlich darüber, wie man das Immunsystem stärken kann und eventuell einer bereits bestehenden Infektion den Garaus machen kann. Natürlich beantworten wir auch ausführlich die Community Fragen. Photo by CDC on Unsplash Link zum Podcast Link zum Youtube-Video Öffnen Sie zum Teilen von Kommentaren das Dokument: bitte hier klicken Klicken Sie nach dem Öffnen des Dokuments auf die blaue Schaltfläche in der oberen rechten Ecke. Klicken Sie dann unten rechts im Dialogfeld auf "Erweitert", geben Sie Ihre Google-Mail-Adresse ein und klicken Sie auf "Senden".